Einwegplastik – Wer produziert und finanziert den Stoff aus dem der Plastikmüll der Welt entsteht?

Einwegplastik - Srohalme, Becher Frau erbricht PlastikFoto von Ron Lach von Pexels

Einwegplastik hat eine Quelle, nicht wahr? Haben Sie mal überlegt die Sache mit dem Plastikmüll nicht vom Ende sondern vom Anfang zu denken? Das Pferd wirklich von vorn aufzuzäumen – vom Ursprung? Wer stellt die Bausteine für Einwegplastik her und wer finanziert sie?

Unsere Welt aus Plastik

Wir verbrauchen weltweit so viel Plastik, dass wir nicht mehr wissen, wohin damit. Vor allem für Produkte und Verpackungen, die nur einmal gebraucht und dann weggeworfen werden, aber auch für Kosmetikprodukte und als Gebrauchsgegenstände. Ob Zahnbürste, Kugelschreiber, Saftflasche, Pflanztopf, Müllsack, Fernbedienung, Wasserschüssel, alles ist aus Plastik. Kunststoff ist vielseitig, billig, leicht und vor allem extrem lange haltbar. Und eben diese Beständigkeit ist ein Problem für die Umwelt. Denn die Experten gehen davon aus, dass Plastikmüll niemals vollständig verrottet.

Der wichtigste Stoff, aus dem Plastik hergestellt wird,

ist das Erdöl. In verschiedenen chemischen Prozessen entstehen die verschieden Bausteine zur Herstellung von Kunststoff. Bestimmte Moleküle des Erdöls werden zu langen Ketten zusammengehängt (Polymere) und mit anderen Stoffen verbunden.

20 Unternehmen sind für 55% des gesamten Plastikmülls verantwortlich

Im Mai 2021 hat die australische „Minderoo Stiftung“ den „Plastic Waste Makers Index“* veröffentlicht. Die Verfasser sind der Auffassung, dass die wenigen Unternehmen, die am Beginn der Lieferkette stehen, bisher in der Analyse der Plastikkrise viel zu wenig beachtet worden sind. Sie halten aber genau diese Unternehmen für „die Quelle der Einwegplastik-Krise“. Sie sind der Ursprung, da sie die Polymere, den Grundstoff aller Plastikprodukte herstellen. Interessanter Ansatz, finde ich. Plastik, welches erst gar nicht hergestellt wird, kann niemals zu Plastikmüll werden.

Die Autoren fanden heraus, dass nur 20 der  großen Hersteller von Polymeren für mehr als die Hälfte des weltweit weggeworfenen Einwegplastiks und Verpackungsmülls verantwortlich sind. Zu diesen globalen Unternehmen gehören sowohl staatliche als auch multinationale Konzerne. In die Untersuchung hat die Stiftung 1000 Fabriken, die die Rohstoffe für Plastik herstellen, einbezogen.

Von den Top 20 haben 11 der Unternehmen ihren Sitz in Asien, vier in Europa, drei in Nordamerika, eines in Lateinamerika und eines im Nahen Osten. Mit 5,9 Millionen Tonnen Einwegplastikmüll steht der Ölkonzern ExxonMobil an erster Stelle des „Plastic Waste Makers Index“ (Index der Hersteller von Kunststoffabfällen). Dow, das größte Chemieunternehmen der Welt verursachte 5,5 Millionen Tonnen Plastikmüll und Chinas Öl- und Gasunternehmen Sinopec produzierte 5,3 Millionen Tonnen.

Weltweit verursachen nur 100 Unternehmen mehr als 90 Prozent des gesamten Plastikmülls. Einwegplastik wird fast ausschließlich aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Diese Kunststoffe sind schwer zu recyceln. Nur 10-15% des Einwegkunststoffs werden jedes Jahr weltweit recycelt. 2019 wurden nur 2 % des Einwegkunststoffs aus recycelten Polymeren hergestellt. Das ist noch viel zu wenig. Auch wenn es Firmen gibt, die große Anstrengungen unternehmen, das zu ändern, so landeten 2019 130 Millionen Tonnen Einwegplastik im Müll.

Und was haben Banken und Investmentfonds mit dem Müll aus Einwegplastik zu tun?

Die Finanzierung von Einwegplastik ist sehr komplex. Fast 60 % der kommerziellen Finanzmittel, die die Produktion von Einwegplastik finanzieren, stammen von nur 20 globalen Banken, stellt der Bericht fest. Darunter Barclays, HSBC, Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase und auch die Deutsche Bank.

Aber auch Investitionen von Wall Street-Fondsmanagern tragen zur Entstehung des Plastikmüll bei. Zwanzig Investmentfirmen halten Aktien im Wert von über 300 Milliarden US-Dollar an den Muttergesellschaften der Hersteller von Einwegkunststoffpolymeren. Davon sind 10 Milliarden US-Dollar direkt mit der Produktion verbunden. Die drei größten amerikanischen Investoren sind Vanguard Group, BlackRock und Capital Group.

Einwegplastik auch ein geopolitisches Problem

Die Autoren des Berichts sagen aber auch das Problem des Plastikmülls liegt weder allein bei den privaten Unternehmen, ob Hersteller oder Handel, noch bei den Konsumenten. Da 30 Prozent der Kunststoffindustrie in staatlichem Besitz ist, an denen Länder wie China, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligt sind, ist die Notwenigkeit Einwegplastik zu reduzieren „ein tief verwurzeltes geopolitisches Problem“.

In Europa sind viele Einwegplastikprodukte seit dem 3. Juli 2021 verboten. Dazu gehören To-go-Becher, Rührstäbchen, Trinkhalme oder Einweg-Geschirr aus konventionellem Plastik und aus „Bioplastik“. Auch Einweg-Behälter aus Styropor dürfen in der EU nicht mehr produziert und in den Handel gebracht werden. Ein Anfang.

 

* Der Plastic Waste-Makers Index ist ein Projekt der No Plastic Waste-Initiative der Minderoo Stiftung, die darauf abzielt, eine Welt ohne Plastikverschmutzung zu schaffen – eine echte Kreislaufwirtschaft, in der keine fossilen Brennstoffe mehr zur Herstellung von Kunststoffen verwendet werden.

Quellen: Minderoo Stiftung, Earth.Org

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