Medikamente richtig entsorgen – aber wohin damit?

Tablettenstreifen - DrageesFoto: Magda von freeimages.com

Heute packte mich der Eifer und ich habe unseren Medikamentenschrank ausgemistet. Mit der Zeit sammeln sich so einige Medikamente an, deren Verfallsdatum längst überschritten ist. Außerdem schaute ich gleich, welche Arzneimittel ich neu kaufen muss. Denn es ist ziemlich nervig, Kopfschmerzen zu haben und dann erst zur Apotheke laufen zu müssen. An Sonntagen muss sogar die Nachbarin herhalten. (Ich wünsche uns allen eine so tolle Nachbarin.)

Reste von Medikamenten in Flüssen und Seen nachgewiesen

Medikamente richtig entsorgen ist unbedingt nötig, um unsere Umwelt nachhaltig zu schützen, das wissen wir alle, aber wohin damit genau?
Laut einem Bericht an den Bundestag vom  Januar 2020 ließen sich verstärkt Reste von Medikamenten im Abwasser, in Flüssen und Seen nachweisen. Und sogar im Grundwasser und in Trinkwassergewinnungsanlagen befanden sie sich. Auch wenn die Wirkstoffe kein akutes Gesundheitsrisiko darstellen, so sind sie doch eine Gefahr für die Tierchen in den Gewässern. Viele Wirkstoffe können in den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden und gelangen so in den Wasserkreislauf.
Also die Toilette oder die Spüle sind auf keinen Fall der richtige Weg zur Entsorgung. Dennoch haben etwa 36,2 Prozent der Deutschen ihre Medikamente schon einmal in die Toilette oder ins Waschbecken geworfen. Das zeigte eine Umfrage, die die Krankenkasse BKK VBU und der Verband Pro Generika in Auftrag gaben. Um darauf aufmerksam zu machen, haben sie das Thema auf eine recht humorvolle Art in einer Kampagne anpackt.

»Medikamente ins Klo? Kein Verbrechen. Trotzdem kacke.«

Unter dem Titel »Die anonymen Entsorger« geben fiktive Leute Geständnisse darüber ab, wann und wohin sie Medikamente entsorgt haben. Für manch einen mag diese Art von Humor vielleicht nicht passend sein. Ich habe mich allerdings köstlich amüsiert. Überhaupt glaube ich, dass eine gute Portion Humor bei dieser doch eher unattraktiven Materie, wie Abfall und Müll hilft. Irgendwie ist es immer eine Last. Familien streiten wer den Müll hinunter bringt, beim Einkaufen überlegen wir dreimal, wo wir Verpackungen einsparen können und auf den Kaffee-to-go zu verzichten, fällt auch nicht immer leicht. Eventuell schreibe ich mal einen richtig humorvollen Artikel über Mülltrennung, oder ich singe Ihnen schief und krumm den „reduce reuse recycle-Song“ von Jack Johnson vor. Aber da würden wahrscheinlich die meisten nie wieder auf unserer Seite vorbeischauen. 😉
Ok zurück zum Thema. Medikamente richtig entsorgen – wie ist das nun? Wann sind sie noch haltbar und wann müssen sie weg?

Haltbarkeitsdatum – Wann Medikamente entsorgen?

  • Wussten Sie, dass sich das Ablaufdatum nur auf ungeöffnete Packungen bezieht?
  • Manchmal ist das Datum nur noch schlecht auf der Folie lesbar, oder die Schachtel mit dem Aufdruck des Haltbarkeitsdatums ist verschwunden. Was ist dann zu tun? Also ich habe auch diese heute entsorgt, sicher ist sicher. Wie würden Sie es halten?
  • Angebrochene Salben, Cremes, Tropfen oder Säfte haben eine andere Haltbarkeit. Darüber informiert Sie die Packungsbeilage. Auch wenn das Verfallsdatum noch nicht überschritten ist, können Flüssigkeiten verderben und Salben und Cremes ranzig werden.
  • Und woran erkennen Sie, dass ein Medikament nicht mehr brauchbar ist? Säfte flocken aus oder werden trüb, Zäpfchen, Salben, Gel und Cremes verfärben oder verflüssigen sich, Tabletten haben Risse oder bleichen aus und ganze Verpackungen blähen sich auf.
  • Übrigens: Auch Pflaster, Tupfer und Mullbinden haben ein Haltbarkeitsdatum. Verbandsmaterialien verlieren irgendwann ihre Klebfähigkeit oder Sterilität. Also machen Sie es wie ich und kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Medikamentenschrank.
  • Ach ja, und den Inhalt des Verbandskastens im Auto von Zeit zu Zeit zu überprüfen, hilft Ihnen Überraschungen zu vermeiden. Bei meiner letzten Verkehrskontrolle musste ich ein Bußgeld in Höhe von 5 Euro zahlen. Denn meiner war längst abgelaufen.

Medikamente richtig entsorgen: Hinein damit, in die Restmülltonne.

Findet sich im Beipackzettel kein ausdrücklicher Hinweis für die Entsorgung, dürfen Sie Medikamente in Ihren Restmüll werfen. Ja Sie lesen richtig, Arzneimittel gelten NICHT als Sondermüll oder Schadstoff. Es ist gesetzlich so geregelt. Das Bundesgesundheitsministeriums sagt, dies ist kein Problem. Die möglicherweise enthaltenen Schadstoffe verlieren bei der Verbrennung bzw. Vorbehandlung ihre Schädlichkeit.

Aber bitte achten Sie unbedingt darauf, die Arzneimittel sehr gut zu verpacken. Besonders die bunten Pillen finden Kinder spannend und verlockend. Deshalb die Medikamente nie lose in den Müll werfen und gut untermischen. Angebrochene Glasfläschchen werfen Sie bitte mit Inhalt in die Restmülltonne und gießen sie nicht in die Toilette oder ins Waschbecken. Leere Fläschchen dürfen in den Glascontainer.

Übrigens habe ich als Kleinkind einmal eine Blutdrucktablette meiner Großmutter probiert. Das hat meinen Eltern einen mächtigen Schrecken versetzt. Sie waren ratlos, weil ich einen ganzen Tag lang recht schläfrig war. Was so gar nicht meinem Temperament entsprach 😀. Erst am Abend stellte meine Großmutter fest, dass da jemand an ihren Pillen gewesen sein muss. Als sie mich danach fragten antwortet ich arglos: „Oma nimmt doch auch immer die schönen Bonbons.“ Ich muss dazu sagen, die Tabletten hatte meine Großmutter oben im Küchenschrank gelagert und somit eigentlich für Kinder unerreichbar. Nur eben nicht für mich.😉

Medikamente richtig entsorgen – kommunal verschieden

Falls Ihnen die Restmülltonne doch irgendwie nicht geheuer ist, gibt es bei Ihnen ganz sicher eine Alternative. Ob zum Schadstoffmobil, zur Schadstoffsammelstelle oder in die MEDI-Tonne, das ist regional verschieden. Schauen Sie einfach in unsere wohindamit-Datenbank. Einen Überblick finden Sie auch hier.

Viele Apotheken nehmen Medikamente an

Viele Apotheken nehmen alte Medikamente kostenlos zurück, verpflichtet sind sie dazu allerdings nicht. Denn sie müssen Spezialfirmen beauftragen, die die abgegebenen Medikamente auf Kosten des jeweiligen Apothekers einsammeln und dann fachgerecht entsorgen. Fragen Sie also zunächst in Ihrer Apotheke nach.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker ….

Okay, es gibt doch ein paar Ausnahmen, die nicht in den Restmüll dürfen. Dazu gehören unter anderem Rheumamittel oder Hormonpräparate. Neben dem Beipackzettel informiert Sie Ihr Arzt oder Apotheker.

Also wie sieht es bei Ihnen aus? Wann bringen Sie Ihren Medizinschrank auf Vordermann?

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