Wer Solarmodule entsorgen will, steht oft vor einem Rätsel. Balkonkraftwerke boomen. Außerdem werden die ersten alten Solar-Anlagen jetzt langsam reif für den Abbau. Aber wohin damit? Eines vorweg: In den Hausmüll dürfen sie auf keinen Fall. Auch der Sperrmüll ist tabu. Solarmodule sind nämlich Elektroschrott. Zudem lassen sie sich zu fast 100 Prozent recyceln, sofern man sie richtig abgibt.
Inhaltsverzeichnis
- Solarmodule sind Elektroschrott
- Solarmodule entsorgen: Was sagt das Gesetz?
- Solarmodule entsorgen: Wo kann ich Module abgeben?
- Solarmodule entsorgen ist nicht alles: Wechselrichter, Kabel und Halterung
- Speicher und Akku entsorgen: Vorsicht beim Balkonkraftwerk
- Second Life: Modul nicht defekt? Dann weitergeben!
- Was passiert beim Recycling?
- PV-Module entsorgen: Praktische Tipps für die Abgabe
- Fazit: Sauber abgegeben, sauber recycelt
Solarmodule sind Elektroschrott
Ein PV-Modul besteht aus mehreren Stoffen. Dazu zählen Glas, ein Rahmen aus Alu, Solarzellen aus Silizium und Kabel aus Kupfer. Auch etwas Silber ist drin. Zudem stecken je nach Bauart Spuren von Blei oder Cadmium im Modul.
Wegen dieser Mischung gilt das Modul als Elektro-Altgerät. So sieht es das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) vor. Damit ist klar: Hausmüll, Gelber Sack, Sperrmüll und Bauschutt sind tabu. Wer Module wild entsorgt, riskiert zudem hohe Bußgelder.
Solarmodule entsorgen: Was sagt das Gesetz?
Seit Oktober 2015 fallen PV-Module unter das ElektroG. Dieses Gesetz setzt die EU-Richtlinie WEEE in deutsches Recht um.
Außerdem regelt es die erweiterte Pflicht der Hersteller. Das heißt: Die Hersteller tragen die Kosten für Sammlung und Recycling. Für Sie als Privatperson heißt das also: Die Abgabe ist kostenlos.
Wichtig: Module von vor dem 24. Oktober 2015 gelten als „historische Altgeräte“. Trotzdem nehmen die Wertstoffhöfe sie meist kostenfrei an.
Übrigens müssen sich seit Februar 2025 alle Hersteller von PV-Teilen bei der Stiftung ear registrieren. Damit ist die Rücknahme inzwischen überall sicher geregelt.
Solarmodule entsorgen: Wo kann ich Module abgeben?
Sie haben mehrere kostenfreie Wege:
- Wertstoffhof in der Stadt: Privatpersonen dürfen kleine Mengen abgeben. Je nach Stadt sind das etwa 20 bis 50 Module. Ein Balkonkraftwerk mit ein bis vier Modulen ist also kein Problem. Tipp: Rufen Sie vorher kurz an. Denn nicht jeder Hof nimmt PV-Module an.
- Rückgabe beim Hersteller oder Händler: Wer ein neues Modul kauft, gibt das alte beim Händler kostenlos ab. Das gilt für Geschäfte mit über 400 m² Lagerfläche.
- Fachbetrieb: Baut ein Fachbetrieb Ihre Anlage ab, kümmert er sich meistens auch um die Entsorgung.
- E-Schrott-Rückgabefinder: Über die Online-Suche der Stiftung ear finden Sie schnell Annahmestellen in Ihrer Nähe.
Hinweis: Sie hören vielleicht vom System PV Cycle. Dieses arbeitet allerdings im Hintergrund mit Herstellern und der Branche. Für einzelne Privatpersonen ist es nicht direkt nutzbar.
Welche Stelle in Ihrer Stadt PV-Module annimmt, zeigt Ihnen übrigens unsere Sortierhilfe.
Solarmodule entsorgen ist nicht alles: Wechselrichter, Kabel und Halterung
Wer Solarmodule entsorgen will, hat oft auch Zubehör übrig. Ein Balkonkraftwerk besteht ja aus mehr als nur dem Modul. So entsorgen Sie die einzelnen Teile:
- Wechselrichter: Auch er gilt als Elektroschrott. Deshalb bringen Sie ihn zum Wertstoffhof. Auch große Elektronik-Geschäfte ab 400 m² nehmen ihn an.
- Solarkabel und Stecker: Die Kabel enthalten Kupfer und sind daher wertvoll. Bringen Sie sie zum Wertstoffhof. Dort kommen sie zum Elektroschrott oder Metallschrott. In den Restmüll dürfen sie auf keinen Fall.
- Halterungen und Gestelle: Sind sie aus Alu oder Edelstahl, kommen sie zum Metallschrott auf dem Wertstoffhof. Halterungen aus Plastik gehören dagegen je nach Material in den Gelben Sack. Manchmal nimmt sie auch der Wertstoffhof an.
- Verpackung des neuen Geräts: Karton ins Altpapier. Styropor je nach Stadt in den Gelben Sack oder zur Wertstoffinsel.
Speicher und Akku entsorgen: Vorsicht beim Balkonkraftwerk
Immer mehr Balkonkraftwerke haben einen Speicher. Das ist ein zusätzlicher Akku. Solche Speicher enthalten meist Lithium-Ionen-Zellen. Deshalb gilt hier erhöhte Vorsicht.
Speicher dürfen niemals in den Restmüll. Außerdem haben sie auch in den Batterie-Boxen im Supermarkt nichts zu suchen. Solche Heimspeicher gelten als Industriebatterien. Das macht die Entsorgung etwas komplizierter:
- Rückgabe beim Hersteller oder Händler: Das ist der einfachste Weg. Hersteller müssen Speicher kostenlos zurücknehmen. Auch der Händler, bei dem Sie das Gerät gekauft haben, ist zur Rücknahme verpflichtet.
- Wertstoffhof: Manche Höfe nehmen Heimspeicher an, manche nicht. Rufen Sie also vorher an. Fragen Sie konkret nach „Industriebatterie“ oder „Heimspeicher“.
- Fachbetrieb: Baut ein Solarteur die Anlage zurück, kümmert er sich oft auch um den Speicher.
Ist ein Speicher beschädigt, aufgebläht oder heiß geworden, geben Sie ihn am besten beim Schadstoffmobil ab. Weisen Sie dort auf den Defekt hin. Mehr dazu lesen Sie übrigens in unserem Artikel Brände durch Lithium-Akkus im Restmüll.
Second Life: Modul nicht defekt? Dann weitergeben!
Bevor Sie ein Modul entsorgen, lohnt ein Test. Liefert es noch Strom? Ein gut gebautes Modul arbeitet locker drei Jahrzehnte zuverlässig. Manche Anlagen aus den 1980ern produzieren bis heute Strom. Laut Fraunhofer ISE liefern moderne Module mindestens 25 Jahre zuverlässig. Außerdem lassen sie sich auch mit weniger Leistung gut nutzen. Zum Beispiel für ein Gartenhaus, eine Garage oder ein selbstgebautes Balkonkraftwerk.
Möglichkeiten zur Weitergabe gibt es einige:
- Kleinanzeigen, Tausch- und Verschenke-Plattformen
- Solar-Initiativen wie Balkon.Solar e.V. Sie helfen oft auch beim Aufbau.
- DIY-Projekte: Viele Tüftler:innen freuen sich über günstige Module. Sie nutzen sie zum Beispiel im Garten oder beim Camping.
Faustregel: Schafft das Modul an einem sonnigen Tag noch rund 80 Prozent der alten Leistung? Dann lohnt sich Upcycling mehr als Recycling.
Was passiert beim Recycling?
Aus modernen Silizium-Modulen gewinnen die Anlagen vor allem diese Stoffe zurück:
- Glas (rund 70 Prozent des Gewichts)
- Alu (Rahmen, ca. 10 Prozent)
- Kupfer (Kabel und Verbinder)
- Silizium und kleine Mengen Silber
Glas, Alu und Kupfer gehen heute fast komplett zurück in den Kreislauf. Beim Silizium und Silber ist die Quote dagegen noch ausbaufähig. Daran wird aber intensiv geforscht.
Für die Zukunft rechnet das Fraunhofer ISE mit großen Mengen Solarschrott in Deutschland: zwischen 400.000 und einer Million Tonnen pro Jahr. Das ist also eine echte Chance für die Kreislaufwirtschaft.
PV-Module entsorgen: Praktische Tipps für die Abgabe
- Vorher anrufen: Fragen Sie kurz beim Wertstoffhof nach. Klären Sie, ob er PV-Module annimmt und in welcher Menge.
- Transport bedenken: Module wiegen oft über 20 Kilo. Außerdem sind sie sperrig. Für ein Balkonkraftwerk reicht ein Kombi. Größere Mengen brauchen aber einen Transporter.
- Vorsicht beim Tragen: Denken Sie ans Glas! Tragen Sie deshalb Handschuhe. Ist das Modul schon angeschlagen, packen Sie es zudem gegen Splittern ein.
- Spannung beachten: Auch ein einzelnes Modul liefert bei Sonne Strom. Decken Sie die Stecker also ab. Außerdem nicht mit nassen Händen anfassen.
- Beim Abbau auf dem Dach: Beauftragen Sie unbedingt einen Fachbetrieb. Mehrere Module in Reihe erzeugen nämlich lebensgefährlichen Strom. Das ist also nichts für Heimwerker.
- Balkonkraftwerke dürfen Sie übrigens selbst abbauen. Das ist gesetzlich erlaubt.
Fazit: Sauber abgegeben, sauber recycelt
Solarmodule und Balkonkraftwerke gehören zur Energiewende. Genauso wichtig ist aber die Entsorgung. Die gute Nachricht: Solarmodule entsorgen ist für Privatpersonen kostenlos und einfach, sofern man weiß, wohin.
Wertstoffhof, Hersteller, Händler oder Fachbetrieb – wählen Sie also eine dieser Adressen. Dann findet Ihr altes Modul seinen Weg zurück in den Kreislauf. So wird aus jedem Stück Solarschrott wieder ein Stück Rohstoff für die nächste Generation Module.
Tipps zum Weiterlesen:
- Stiftung ear: Verzeichnis registrierter PV-Hersteller
- E-Schrott-Rückgabefinder: Sammelstellen in Ihrer Nähe
- Umweltbundesamt: Erneuerbare Energien in Zahlen
- Unser Artikel: Weniger ist mehr – Elektroschrott vermeiden!
- Unser Artikel: Wohin mit den ausgedienten alten Elektrogeräten?
Haben Sie schon ein Modul entsorgt oder weitergegeben? Erzählen Sie gerne in den Kommentaren, wie es bei Ihnen gelaufen ist – jede Erfahrung hilft anderen Leser:innen weiter.

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