Lithium-Akkus entsorgen: Brände im Restmüll werden zum Problem

Beine in blinkenden Turnschuhen mit leuchtenden Außensohlen, ein Fuß steht auf einem SkateboardAuch in blinkenden Turnschuhen stecken Lithium-Akkus – und gehören am Lebensende zum Wertstoffhof, nicht in den Restmüll. Foto: pexels/clickerhappy

Wer Lithium-Akkus entsorgen will, sollte einiges beachten. Denn eine singende Glückwunschkarte, blinkende Kinderschuhe oder eine leere Einweg-E-Zigarette können das Müllfahrzeug in Brand setzen. Was wie ein Unfall klingt, ist mittlerweile fast Alltag. Bundesweit gab es 2025 über 120 medienwirksame Brände in Recyclinganlagen und Müllfahrzeugen. Ursache Nummer eins: falsch entsorgte Lithium-Akkus.

 

Was passiert da gerade?

Schätzungen zufolge lösen Lithium-Ionen-Akkus rund 80 Prozent aller Brände in der deutschen Abfallwirtschaft aus. Das meldet der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE). In manchen Sortieranlagen brennt es täglich. Außerdem kommt das Sammelfahrzeug in einzelnen Müllheizkraftwerken schon brennend im Betrieb an.

Die Schäden gehen in die Millionen. Zudem werden Brandschutzversicherungen für Entsorger immer teurer. Manche Unternehmen verlieren ihren Versicherungsschutz sogar komplett.

Der Grund für die Eskalation ist einfach: Wir haben immer mehr Lithium-Akkus im Alltag. So hat sich der Import zwischen 2012 und 2021 mehr als verfünffacht. Das zeigt eine Anfrage im Bayerischen Landtag vom April 2025. Trotzdem liegt die Sammelquote für Geräte-Batterien in Deutschland weiterhin bei nur rund 50 Prozent. Der Rest landet – Sie ahnen es – im Restmüll.

Warum brennen Lithium-Akkus überhaupt?

Lithium-Ionen-Akkus sind kleine Energiebündel. Sobald so ein Akku Druck oder einen Stich abbekommt, kann er sich entzünden. Genau das passiert oft, wenn die Müllpresse im Sammelfahrzeug zudrückt. Fachleute nennen das thermisches Durchgehen: Der Akku erhitzt sich stark, gast aus und beginnt zu brennen. Außerdem lassen sich solche Brände kaum löschen.

Besonders heimtückisch: Eine Batterie kann Tage nach der Beschädigung noch nachglimmen und plötzlich auflodern. Deshalb sind diese Akkus für Mitarbeiter:innen der Entsorgungswirtschaft eine echte Gefahr – körperlich wie wirtschaftlich.

In welchen Produkten stecken überall Akkus?

Die Klassiker kennt jeder: Smartphone, Tablet, Laptop, Powerbank, Akku-Bohrer, E-Bike, E-Scooter. Doch Lithium-Akkus stecken längst auch in Gegenständen, bei denen niemand damit rechnet:

  • Einweg-E-Zigaretten (Vapes) – ein Riesenproblem, weil sie nach Gebrauch im Mülleimer landen
  • Blinkende Kinderschuhe, leuchtende Bälle, blinkendes Spielzeug
  • Singende Grußkarten
  • Elektrische Zahnbürsten, Rasierer, Epilierer
  • Drahtlose Kopfhörer und In-Ear-Hörgeräte
  • Akku-Gartengeräte wie Heckenschere oder Rasenmäher
  • Saugroboter und kabellose Handstaubsauger
  • Fitness-Tracker und Smartwatches

Faustregel: Wenn etwas summt, leuchtet, vibriert oder sich von selbst bewegt, steckt fast immer eine Batterie drin.

Lithium-Akkus richtig entsorgen: So geht’s

Lithium-Akkus entsorgen heißt vor allem: niemals in den Restmüll. Auch in der Gelben Tonne, im Altpapier oder in der Biotonne haben sie nichts zu suchen. Außerdem gilt: nicht zerlegen, nicht ins Feuer werfen.

Zum Glück gibt es genug richtige Wege, um Lithium-Akkus zu entsorgen – und zwar alle kostenlos:

  • Hersteller- und Händlerrücknahme: Wer einen neuen E-Bike-Akku oder eine Powerbank kauft, gibt den alten dort kostenlos zurück. Das ist oft der schnellste Weg.
  • Sammelboxen im Handel: In Supermärkten, Drogerien und Baumärkten stehen die grünen Boxen der GRS Batterien. Hier können Sie lose Batterien und kleine Akkus abgeben.
  • Wertstoffhof – kleine Akkus: Akkus aus Handy, Laptop, Werkzeug oder Powerbank gehören hierhin. Auch ganze Geräte mit fest verbautem Akku nimmt der Hof an.
  • Wertstoffhof – große Akkus (E-Bike, E-Scooter, Heimspeicher): Hier wird es komplizierter. Solche Akkus gelten als Industriebatterien. Bisher nehmen nur ausgewählte „qualifizierte Sammelstellen“ sie an. Seit 1. Januar 2026 müssen aber alle kommunalen Wertstoffhöfe E-Bike- und E-Scooter-Akkus zurücknehmen. Das regelt das neue Batterierecht-Anpassungsgesetz. Trotzdem gilt: Vorher kurz anrufen schadet nie.
  • Schadstoffmobil: Bei beschädigten oder aufgeblähten Akkus ist das die sicherste Option.

Wichtig: Kleben Sie die Pole von Lithium-Batterien vor der Abgabe mit etwas Klebeband ab. Das gilt besonders für 9-Volt-Block- und Knopfzellen. So vermeiden Sie Kurzschlüsse im Sammelbehälter. Fragen Sie unbedingt vorher Ihre Abfallberatung ob der Wertstoffhof oder das Schadstoffmobil Lithium-Akkus annehmen. Nicht in jeder Kommune ist das so.

Wo Sie in Ihrer Stadt abgeben, zeigt Ihnen übrigens unsere Sortierhilfe – einfach Postleitzahl und Artikel eingeben.

Was tut sich politisch?

Die Branche fordert seit Jahren ein Umdenken. Im Gespräch sind unter anderem:

  • Eine Pfandlösung für Lithium-Akkus, ähnlich wie bei Getränkeflaschen. Damit ließe sich die Sammelquote deutlich erhöhen.
  • Ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten. In Belgien gilt es seit 2025, Frankreich zog kurz darauf nach. Auch der Bundesrat sprach sich mehrfach für eine EU-weite Lösung aus.
  • Verbote für unsinnige Akku-Produkte wie blinkende Kinderschuhe oder singende Karten. Ihr Nutzen rechtfertigt die Brandgefahr kaum.
  • Bessere Aufklärung: Die BDE-Kampagne „Brennpunkt: Batterie“ hat seit 2020 rund 1,5 Millionen Warnaufkleber für Restmülltonnen verteilt.

Außerdem bringt die neue EU-Batterieverordnung ab 2027 die Pflicht zu leicht austauschbaren Akkus in vielen Geräten. Das ist ein wichtiger Schritt. Denn ausgebaute Akkus lassen sich viel sicherer entsorgen als verklebte.

Lithium-Akkus entsorgen im Alltag: Was kann ich selbst tun?

  • Bewusst kaufen: Brauche ich wirklich blinkende Schuhe oder die singende Karte? Jeder vermiedene Akku ist ein guter Akku.
  • Akkus pflegen statt wegwerfen: Viele Geräte halten länger, wenn man Akkus schont. Reparieren statt ersetzen lohnt fast immer.
  • Richtig sammeln: Eine kleine Box im Hausflur sorgt dafür, dass leere Batterien nicht im falschen Mülleimer landen.
  • Pole abkleben – besonders bei Lithium-Batterien.
  • Beschädigte Akkus (aufgebläht, ausgelaufen, heiß geworden) gehören nicht in den Sammelbehälter. Bringen Sie diese stattdessen direkt zum Schadstoffmobil oder Wertstoffhof. Dort weisen Sie auf den Defekt hin.
  • Familie und Bekannte aufklären: Viele wissen schlicht nicht, dass die alte Vape ein Brandstifter ist.

Fazit: Klein, aber gefährlich

Vom Smartphone bis zur Zahnbürste – ohne Lithium-Akkus läuft im modernen Alltag kaum noch etwas. Genau deshalb müssen wir lernen, mit ihnen umzugehen. Eine einzige falsch entsorgte Vape kann ein Müllfahrzeug in Brand setzen. Außerdem gefährdet sie Mitarbeiter:innen.

Die gute Nachricht: Lithium-Akkus entsorgen ist einfach, kostenlos und liegt in unserer Hand. Wer beim nächsten Einkauf eine leere Batterie in die grüne Box wirft, hat schon einen Beitrag geleistet.

Tipps zum Weiterlesen:

Haben Sie selbst schon einmal einen brennenden Mülleimer oder ein Müllfahrzeug in Flammen erlebt? Schreiben Sie uns gerne in den Kommentaren – jede Erfahrung hilft, das Thema sichtbarer zu machen.

Kommentar hinterlassen zu "Lithium-Akkus entsorgen: Brände im Restmüll werden zum Problem"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.