Recycling, Upcycling, Downcycling

Downcycling, Upcycling Recycling

Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling: diese drei Worte sind inzwischen fest in unserem deutschen Sprachgebrauch verankert. Obwohl ich die Worte ganz selbstverständlich gebrauche, neige ich dazu, ihre Bedeutung zu verwischen. Zumindest was die Worte Wiederverwendung und Recycling betrifft. Vielleicht geht es ja manchem von Ihnen ebenso. Zum ohnehin schon englischen Wort Recycling sind mittlerweile noch die Worte Upcycling und Downcycling dazugekommen. Lassen Sie mich versuchen, Licht in den Dschungel der Begrifflichkeiten zu bringen.

Um dem Ganzen auf die Schliche zu kommen, braucht es zunächst noch die Erläuterung des Wortes Abfall, so wie es vom Gesetzgeber gemeint ist.

Abfall

Wann Abfall Abfall ist wird im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) ausführlich beschrieben. Einfach und kurz gesagt, alle beweglichen Gebrauchtgegenstände, die Sie nicht mehr haben wollen, weil sie für Sie ausgedient haben und auch keinen anderen Sinn mehr erfüllen können, sind Abfall.

Vermeidung

Wußten Sie, dass die Schere zwischen Umweltbewusstsein und der Bereitschaft umweltfreundlich zu handeln vor allem bei jungen Leuten auseinanderklafft? In Deutschland wird viel konsumiert und viel weggeworfen. Dadurch werden die Umwelt und die Ressourcen unnötig belasten. Vermeidung sollte aber nicht nur für die Verbraucherinnen und Verbraucher an erster Stelle stehen. Vor allem Hersteller, Industrie und Handel sind in der Verantwortung. Dazu gibt es politische Richtlinien. Für mich als Verbraucherin bedeutet Abfallvermeidung:

  1. auf überflüssige Verpackungsmaterialien zu verzichten,
  2. meinen Konsum bewusst zu mäßigen sowie
  3. auf abfall- und schadstoffarme Produkte zu achten oder
  4. durch gebrauchte Güter zu verringern.

Ich gebe zu, das ist nicht immer einfach. Schöne Dinge besitzen zu wollen ist ein Verlockung, auch wenn ich sie offensichtlich nicht brauche. Das Nachdenken darüber ist einen extra Artikel wert.

Wiederverwendung

Ich liebe die Atmosphäre auf Flohmärkten und in Second-Hand Läden. Es ist schön mitzuerleben, wenn ein gebrauchtes Stück von jemand anderem wieder verwendet werden kann. Dieses Gefühl ist im Gegensatz zu den gesetzlichen Begriffsbestimmungen greifbar und nicht so trocken. Im §3 des KrWG heißt es: »Wiederverwendung,…., ist jedes Verfahren, bei dem Erzeugnisse oder Bestandteile, die keine Abfälle sind, wieder für denselben Zweck verwendet werden, für den sie ursprünglich bestimmt waren.«

Der verlängerte Gebrauch von Produkten, die keine Abfälle sind, ist effektiver Umweltschutz. Sicher ist das nicht unbedingt die erste Intention der Verkäufer und Käufer. Aber die Wiederverwendung von Gebrauchtwaren trägt beträchtlich zur Vermeidung von Abfällen bei. Für die Wortbedeutung ist wichtig, dass es sich bei Wiederverwendung immer um Waren handelt, die noch kein Abfall sind.

Recycling

Recycling ist ein Verfahren, dass sich mit Gütern befasst, die Abfall sind.

Das Wort ist der englischen Sprache entlehnt – dort steht es für »Wiederaufbereitung«. Das englische »cycle« wird mit »Kreislauf, Zyklus« übersetzt. Ob es sich bei der Wortherkunft um das griechische »kýklos« oder das lateinische »cyclus« handelt ist egal. In beiden Sprachen bedeutet es »Kreis«. Die Vorsilbe »re« leitet sich vom lateinischen »zurück, wieder« ab. In diesem ursprünglichen Wortsinn meint Recycling also etwas »wieder in den Kreis(lauf) bringen« Es spielt dabei keine Rolle ob es vorher behandelt wurde oder nicht.

Wenn es aber im Kontext des KrWG um Recycling geht, werden alle Verfahren, die wiederverwertbare Abfälle aufbereiten und in neue Rohstoffe verwandeln, als Recycling bezeichnet. Die Aufbereitung führt entweder zum ursprünglichen Gebrauch oder zu einem neuen Produkt. Also jeder Gegenstand, der in einem Verwertungsverfahren wieder aufbereitet wird und einen neuen Nutzen findet, ist recycelt. Gelangt »wieder in den Kreis zurück«. Mit Hilfe der Wiederaufbereitung wird die Abfallmenge verringert und Energie gespart.

Downcycling

Beim Downcycling handelt es sich um eine Form des Recycling.

Das geht schon aus dem Wort hervor. Der Kreis(lauf) findet sich hier wieder. Nur die Vorsilbe ist eine andere. Sie stammt vom englischen Adverb »down« = herunter. Adverben sind tolle Wörter. Sie bezeichnen die Umstände einer Handlung oder eines Geschehens näher, zum Beispiel Ort, Zeit, Art und Weise. Beim Downcycling handelt es sich um einen Kreislauf, bei dem das recycelte Material mit jeder Wiederaufbereitung in seinem Wert sinkt. Eben auf ein unteres Level herab fällt. Das wieder aufgearbeitete Material verliert mit jedem Zyklus mehr an Qualität.

Wenn das recycelte Produkt wieder Abfall geworden ist, entsteht im nächsten Recyclingverfahren ein neues Produkt mit verminderter Qualität, welches dann wieder aufbereitet wird. Und so weiter und so weiter. Deshalb ist Downcycling letztendlich eine Verwertungsspirale nach unten, kein unendlicher Kreislauf. Irgendwann ist Schluss und das Zeug muss endgültig entsorgt werden. Spätestens wenn beim Aufbereitungsprozess der Material- und Energieaufwand unverhältnismäßig steigt, um den downgecycelten Stoff erneut verwenden zu können. Im günstigsten Fall kann bei seiner Verbrennung (thermische Verwertung) der Energiegehalt genutzt werden (vorletzte Stufe der Abfallhierarchie).

Beispiele für Downcycling:

  • Durch die Altpapieraufbereitung werden die ursprünglichen Holzfasern mehrfach genutzt. Das ist prima. Doch bei jedem Recycling-Durchgang werden sie beschädigt. Um diesen Verlust aufzufangen müssen frische Faserstoffe zugegeben werden. Und am Ende reicht die Qualität nur noch für Toilettenpapier. Das ja bekanntlich im Abfluss verschwindet.
  • Im sogenannten Bottle-to-Bottle Kreislauf entstehen aus gebrauchten PET-Flaschen wieder neue PET-Flaschen, doch wird nur ein geringer Anteil der alten Plastikflasche für die der recycelten Plastikflasche verwandt. Der Rest wird zu minderwertigerem Granulat, aus welchem unter anderem Spielzeug in China hergestellt wird.
  • Aus Altkleidern werden unter anderem Putzlappen. Eine kleine Lebensverlängerung, aber wenn sie mit Öl verschmiert und total verdreckt sind landen sie im Müll und werden verbrannt.

Upcycling

Abfallprodukte bekommen beim Upcycling in ihrer Ursprungsform mit wenig Veränderungen neues Leben.

Das ist genau das Gegenteil zum Downcycling. Bei dem die Güter erst in ihre stofflichen Bausteine zersetzt werden, um dann wieder aufbereitet zu werden. Sie verlieren dabei an Qualität. Beim Upcycling hingegen erfahren die Gegenstände eine Aufwertung. Sie werden in gleich- oder höherwertige Gebrauchtwaren verwandelt. Manche finden gar ein neues Dasein als ausgesprochenes Designerstück. Die englische Vorsilbe up bedeutet hoch, nach oben, also »nach oben im Kreis«.

Aus der Not geboren

Bei meiner Recherche bin ich auf die Geschichte dieses kreativen Konzept  gestoßen. In der Nachkriegszeit, als alles knapp war, wurde es geboren. Die Menschen fanden damals erstaunliche Möglichkeiten der Aufarbeitung von Abfall. Ohne den Mangel an Rohstoffen wäre das wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Der Stahlhelm wurde zum Kochtopf umfunktioniert und aus rotem Fahnenstoff ein Badeanzug genäht. Blumenvasen wurden aus Granatkartuschen hergestellt und Spielzeug aus anderem alten Kriegsmaterial. »Aus einer Patronenhülse wurde eine Pfeife gebastelt; zwei Gasmaskenfilter und eine Papierschnur ergaben ein Jo-Jo; mit Leuchtpatronen wurden Kaleidoskope gebastelt.«, wie in einer Sonderausstellung im Nürnberger Spielzeugmuseum zu sehen war.

In vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt ist Upcycling schon seit langem tägliches Geschäft. Hier spielt der Faktor des Mangels (Rohstoffe sind teuer) ebenso eine Rolle wie der Überfluss des Abfalls. Z.B. werden aus ehemaligen Tetrapack-Verpackungen bunte Taschen hergestellt, aus Autoreifen entstehen Flip Flops und aus PET-Flaschen werden sogar Häuser gebaut.

Upcycling heute

Upcycling wie es hierzulande in der Kreativbranche und von Hobbykünstlern betrieben wird, kommt ursprünglich aus den USA und England. Ein anhaltender Trend.  Jedes beliebige Produkt als dient Rohstoff. Und die Ideen sind vielfältig. Vinyl-Schallplatten werden zu Uhren, Fahrradreifen zu Gürteln, Kaffeesäcke zu Hüten. Aus alten Nummernschilder entstehen Regale und aus alten Segeln Laptoptaschen. Originelle Möbelstücke werden aus Sperrmüll und einzigartige Kleidungsstücke aus Feuerwehrschläuchen desinged. Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Natürlich kann auch ein upgecycelter Gegenstand irgendwann absolut unbrauchbar werden. Doch durch dieses Verfahren wird die Neuproduktion von Rohmaterial stark reduziert. Außerdem wird viel weniger Energie zur Aufbereitung benötigt. Das ist besonders umweltfreundlich. Inzwischen ist auch der Markt hier ziemlich groß geworden. Viele Onlineshops für Upcycling Produkte haben sind entstanden. Wir unterstützen allerdings gern Läden, die Geschäfte auch vor Ort haben wie z.B. Kultbag.

Aus verschiedenen Materialien, die normalerweise im Müll landen, können Sie auch selbst tolle Upcycling-Gegenstände herstellen. Wenn Ihr Kind eine neue Federmappe braucht oder Sie eine neue Einkaufstasche finden Sie hier praktische Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Die Idee des ewigen Kreislauf

geht noch weiter. Sie verlangt das Produkte von Anfang an so konzipiert werden, dass die eingesetzten Rohstoffe in einen echten Kreislauf der Wiederverwertung gelangen. Das Prinzip lautet von der Wiege zur Wiege = Cradle-to-Cradle (C2C). Dahinter steht die Idee, einer abfallfreien Wirtschaftsweise. Produkte sollen in geschlossenen Kreisläufen hergestellt werden. Die Hersteller sollen keine »gesundheits- und umweltschädlichen Materialien mehr verwenden und alle Stoffe sollen dauerhaft Nährstoffe für natürliche Kreisläufe oder geschlossene technische Kreisläufe sein.« In einem biologischen Kreislauf sollen beispielsweise Verpackungen oder T-Shirts so beschaffen sein, dass sie sozusagen essbar und unbedingt kompostierbar sind. Was allerdings zu bizarren Produkten geführt hat, die mich fragen lassen, was wirklich hinter dem Prinzip steht. So hat der Erfinder dieses Prinzips, der Verfahrenstechniker Michael Braungart essbare Flugzeugsitzbezüge entwickelt, die in der First Class des Airbus A380 zu finden sind. Denn dass Fliegen ist ja nun nicht gerade umweltfreundlich. Da passt etwas nicht zusammen oder?

Der feine Unterschied im persönlichen Handeln

Ich hoffe, ich habe nicht noch mehr Fragen aufgeworfen, sondern konnte das Wortdurcheinander zu einem klaren Faden spinnen. Wie sieht es aus? Welche Routine haben Sie mit dem Vermeiden, Wiederverwenden oder des Recyclings? Ich würde mich über Ihre Kommentare freuen. Vielleicht beflügeln sie ja zum Handeln oder regen zumindest zum Nachdenken an.