Frühjahrsputz im Kleiderschrank – wohin mit den alten Klamotten?

Frühjahrsputz im Kleiderschrank - wohin mit den alten Klamotten?

So langsam werden die Tage länger, die Sonne scheint öfter und die ersten Blüten zeigen ihre Schönheit. Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm steigt auch die Lust mehr aktiv zu sein. Dabei ist es gleich womit wir anfangen. Warum nicht mit dem Frühjahrsputz im Kleiderschrank? Ich habe schon letzte Woche meinen Schrank gründlich ausgemistet. Obwohl ich immer bewusster einkaufe, war ich erstaunt, was da noch alles schlummert.

Knapp 40% der Kleidung darben im Kleiderschrank!

Laut einer Umfrage der Umweltschutzorganisation Greenpeace* tummeln sich durchschnittlich 95,3 Kleidungsstücke in einem deutschen Kleiderschrank (bei Frauen sind es 118 Stück). Wobei nur 60 Teile der Kleidung laufend getragen werden. Die restlichen ca. 19 Teile werden seltener als alle drei Monate getragen und ca. 17 Bekleidungsstücke werden nie oder so gut wie nie getragen. Sie verstopfen die Schränke und hoffen ganz still, doch noch einmal getragen zu werden. Wenn das kein Grund ist, seinen Kleiderschrank mal genauer unter die Lupe zu nehmen? Es finden sich inzwischen viele Tipps im Netz zum Aufräumen und Entrümpeln. Sogar einen Beitrag speziell für den Männer-Kleiderschrank habe ich gefunden. Doch was tun mit all den aussortierten Kleidungsstücken, die am Ende übrig bleiben? Nicht alles muss in den Müll.

Wohin mit den alten Klamotten?

1. Altkleidercontainer?

Das ist wahrscheinlich die schnellste und einfachste Lösung. Sie lassen sich leicht, ob auf dem Land oder in den Städten, in ganz Deutschland finden. Dabei handelt sich entweder um gemeinnützige, kommunale oder kommerzielle Container. Und alle drei Anbieter sehen die eingeworfenen Kleidung als Handelsware. Der Unterschied liegt darin, wem der Erlös am Ende zugutekommt. Kommunen nutzen die Einnahmen zur Stabilisierung der Abfallgebühren. Manchmal gehen sie auch ganz oder zu einem Teil an örtliche karitative Einrichtungen. Bei gemeinnützigen Organisationen werden die Erlöse für weitere gemeinnützigen Projekten vor Ort oder in der Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt.  Thomas Ahlmann vom Dachverband FairWertung e.V. berichtet in einem Interview , dass es den gewerblichen Sammlern um Profit geht. Beides ist erlaubt und wird vom Verband akzeptiert. Er sagt: „Was wir nur fordern sind transparente Sammlungen, bei denen der Verbraucher klar und deutlich erkennen kann, wer von der Kleiderspende am Ende profitiert.“ Wer sich genau darüber informieren möchte, findet auf dem Container eine Servicetelefonnummer.

2. Verschenken oder Spenden

Eine andere etwas zeitaufwendigere Möglichkeit ist das Verschenken oder Spenden. Fragen Sie Freunde und Familie ob sie die Kleidungsstücke weiternutzen möchten. Oder Sie spenden direkt in ihrer Nähe (Kleiderkammern, Frauenhäuser oder andere soziale Einrichtungen, Sozialkaufhäuser, Oxfam-Shops). Ich weiß in ländlichen Gegenden ist es nicht so einfach, fragen Sie in der Kirchengemeinde, da hat meist jemand eine Lösung. Es gibt auch noch Möglichkeit die Sachen zu versenden. Die Kleiderspende im Karton von Packmee oder die die Kampagne „Platz schaffen mit Herz“ vom Ottoversand sind Beispiele.

3. Kleider-Tauschparty

Trommeln Sie Freunde und Nachbarn zusammen und veranstalten Sie eine Tauschparty. Jeder bringt eine Kleinigkeit zu Essen oder Trinken mit und natürlich seine aussortierte Kleidung. Allerdings sollten Sie die Zahl der Kleider begrenzen. Sie können unterteilen in Frauen-, Männer- und Kinderkleidung. Und dann jeweils 10 Teile erlauben. Sonst herrscht am ende nur ein heilloses Chaos. Und um nicht wieder mit mehr Kleidung als Sie kamen heimzukehren, gilt die Regel: Für jedes neue Teil muss ein altes wirklich abgegeben werden. Nur so lernen Sie bewusster mit Ihrer Kleidung umzugehen und der Kleiderschrank wird nicht wieder vollgestopft. Die Sachen, die übrig bleiben können Sie dann spenden.

4. Weiterverwerten

Es gibt immer irgendjemand in der Bekanntschaft, der mit einer Nähmaschine umgehen kann und den alten Sachen neues Leben einhauchen kann. Baumwollt-shirts eignen sich bestens als Putzlappen eignen. Mit alten T-Shirts oder Bettwäsche aus Jersey lassen sich auch prima nasse Haare trocknen. Das weiche Hat eine Hose ein Loch am Knie, kann sie noch als Shorts genutzt werden. Alte Leggins können einfach zu einem Oberteil umfunktioniert werden. Wärmflaschen erhalten einen Überzug aus dem Ärmel eines alten Pullis. Sicher gibt es auch Kleidung, die einfach zu kaputt oder verschmutzt ist, um sie weiter zu nutzen. Doch es lohnt sich immer noch einen Moment darüber nachzudenken, ob sich nicht doch eine neue Verwendung finden lässt.

5. Verkaufen

Möglichkeiten gute gebrauchte Kleidung zu verkaufen gibt es inzwischen sehr viele. Nicht zuletzt die vielen Plattformen im Internet. Neben dem klassischen Ebay und Ebay-Kleinanzeigen, gibt es u.a. Kleiderkreisel, Kleiderkorb oder Mädchenflohmarkt.de. Für teure Designerklamotten haben sich extra Plattformen etabliert, z.B. Rebelle oder Vestiairecollective .

Sie können natürlich auch selbst zu einem Secondhand-Laden gehen oder die Sachen auf einem Flohmarkt verkaufen. Flohmarkttermine in Ihrer Nähe finden Sie in der Presse oder im Internet, z.B. bei Meine-Flohmarkt-Termine oder bei Markt.com. Immer wieder veranstalten soziale Einrichtungen und Kirchgemeinden, aber auch Schulen und Kindergärten Flohmärkte oder Kleiderbasare.

6. Bewusst einkaufen – Weniger ist mehr

Um erst gar nicht in die Zwickmühle des Aussortierens zu geraten, lohnt es sich über sein eigenes Kaufverhalten nachzudenken. Wobei in Sachen Kleidung wahrscheinlich die Frauen mehr gefragt sind. Ich stehe dem „Immer mehr“ in unserer westlichen Konsum- und Wegwerfgesellschaft, sehr skeptisch gegenüber. Wobei ich zugeben muss immer mal wieder in die Konsumfalle zu tappen.

Überall ist zu lesen: Jeder Europäer besitzt im Durchschnitt 10.000 Güter. Doch die meisten gebrauchen wir gar nicht. Wir besitzen einfach zu viel und es wird scheinbar immer mehr. Auch weil vieles so preiswert, als angebliches Schnäppchen, angeboten wird. Natürlich wir wissen, dass allein der Besitz von Dingen nicht glücklich macht. Doch es schützt uns anscheinend nicht. Viele von uns glauben diesem Versprechen von Glück dann doch. Zumindest für eine kurze Zeit.

Damit will ich nicht sagen, dass allein der Verzicht glücklich macht. Doch wenn wir ganz tief in uns hineingehen und uns fragen, was wir wirklich brauchen, ist es kein Verzicht sondern ein Gewinn. Denn ich denke, wer sein Leben vereinfacht hat mehr Zeit sich auf Dinge zu konzentrieren, die ihm oder ihr wichtig sind. Wobei es da sicher auch viel Diskussionsstoff gibt. Und ich muss zugeben, es wird schwer sein, Leute zu überzeugen, die „shoppen“ als ihr Hobby angeben. Dennoch

Es lohnt sich bewusster und weniger einzukaufen und das Gekaufte mehr wert zu schätzen.

 

Tipps zum Weiterlesen.

 

* Im September 2015 hat das Institut Nuggets im Auftrag von Greenpeace 1.011 repräsentativ ausgesuchte Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt.