Elektroschrott wiederverwenden - Zu wertvoll für die Tonne! -

Elektroschrott wiederverwenden – Zu wertvoll für die Tonne!

Frau mit Fön bläst sich die Haare ins Gesicht Elektroschrott wiederverwenden - zu wertvoll für die Tonne

Wenn Sie in Ihrem Haushalt nachsehen finden Sie garantiert alte Elektrogeräte, die als Elektroschrott auf ihre Entsorgung warten. Zwei gebrauchte Handys. Ein MP3-Player. Fünf alte Fernbedienungen. Zwei ausgediente Akkus und ein Knäul von ungenutzen Ladekabeln.

Unser elektronisches Zeitalter hat wirklich fantastische Annehmlichkeiten zu bieten. Und darauf zu verzichten mag wohl kaum jemand. Ob nun auf die kleinen Haushaltshelfer wie Fön, Rasierer und Kaffeemaschine oder die großen Haushaltsgeräte wie Waschmaschine und Kühlschrank. Ebenso die tollen Elektronikgeräte zur Unterhaltung. Ob Fernseher oder Hifi-Anlage, und natürlich die großartige Kommunikationstechnik von Computer über Laptop bis zum Handy, sie versüßen und erleichtern uns das Leben im privaten und beruflichen Bereich.

Elektroschrott wiederverwenden

Die dunkle Kehrseite unseres »elektronischen Wohlstands« sind die unglaublichen Mengen ausgedienter »Altgeräte«. Der Berg an Elektroschrott wächst. Die unsachgemäße Entsorgung hat fatale Folgen für Mensch und Umwelt. Mehr als 1 Million Tonnen von Elektro- und Elektronikprodukte werden jährlich ausgemustert und durch Neugeräte ersetzt.  Diese haben zudem eine immer kürzere Gebrauchsdauer. Doch leider landen alte Elektrogeräte immer wieder im Hausmüll. So gehen sie der sachgerechten Entsorgung verloren. Das hat enorme Folgen für die Umwelt: die Altgeräte enthalten zahlreiche umweltschädliche Schadstoffe wie Schwermetalle (z.B. Cadmium und Blei), aber auch PVC-Weichmacher wie DEHP oder bromierte Flammschutzmittel. Hinzukommt die Verschwendung beachtlicher Mengen an wertvollen Rohstoffen. Außerdem werden noch immer Tonnen unseres Elektroschrotts auf Müllkippen nach Afrika oder Asien verschifft. Unter katastrophalen Arbeitsbedingungen nehmen die Arbeiterinnen und Arbeiter die Geräte dort auseinander – mit schlimmen Folgen für ihre Gesundheit und für die Umwelt.

Infografik: Jeder Deutsche produziert 21,6 kg Elektroschrott im Jahr | Statista
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Elektro- und Elektronikgerätegesetz soll Abhilfe schaffen

Deshalb wurde gesetzlich festgeschrieben, dass Elektro-Altgeräte und -produkte zukünftig vor der Entsorgung von Schadstoffen zu befreien sind. Anschließend sollen sie soweit es geht der Verwertung zugeführt werden. Die Altgeräte bedürfen daher einer gesonderten Erfassung. So lassen sie sich in speziellen Zerlegezentren leichter in ihre stofflichen Bestandteile trennen. Die sortierten Stoffgruppen werden aufbereitet oder gehen direkt als industrielle Sekundärrohstoffe in einen Materialkreislauf.

Insbesondere die vielen Metallteile (Alluminium, Eisen) aus alten Elektrogeräten sind einfach als Rohstoffersatz in der Industrie nutzbar. Sind Reststoffe nicht mehr zu verwerten, werden sie fachgerecht entsorgt. Aber inzwischen achten viele Hersteller von neuen elektrischen Geräten immer mehr auf eine umweltverträglichere Produktgestaltung.

Seit 2006 muss Elektro- und Elektronikabfall EU-weit separat entsorgt werden. Das schreibt die EU-Richtlinie Waste Electrical and Electronic Equipment (WEEE – Richtlinie zu Elektro- und Elektronik-Altgeräte) vor. Die Gerätehersteller müssen die getrennt gesammelten Altgeräte ordnungsgemäß entsorgen und verwerten. Es ist verboten ausgediente Stromfresser über den Hausmüll zu entsorgen. Im Juli 2012 wurde die EU-Richtlinie überarbeitet (sogenannte WEEE II). Die so genannte RoHS-Richtlinie regelt zusätzlich den Einsatz bestimmter umweltgefährdender Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Sie wird in Deutschland durch die Elektrostoff-Verordnung  umgesetzt. Das bedeutet, dass es für die sechs Stoffe Blei, Quecksilber, Cadmium, Sechswertiges Chrom, Polybromierte Biphenyle (PBB) und Polybromierte Diphenylether (PBDE) besondere Regeln gibt. Es ist den Herstellern nur noch stark eingeschränkt erlaubt diese in neue Elektrogeräte einzubauen.

In den Kommunen gibt es unterschiedliche Regelungen, wo und wie der E-Schrott gesammelt wird. In unserer großen Sortierhilfe erfahren Sie wie das in Ihrer Kommune funktioniert.

Nicht nur Handys zurück zum Anbieter

Handys können schon länger samt Zubehör in allen Geschäften, die Mobiltelefone anbieten abgegeben werden. Außerdem können Sie bei Ihrem Handyanbieter einen Umschlag anfordern und darin alte Geräte kostenlos zurückschicken. Einige Mobilfunkanbieter kooperieren mit Umweltschutzorganisationen wie dem NABU oder dem WWF und unterstützen diese mit zwei bis drei Euro pro eingesammeltem Handy.

Ab dem 24. Juli 2016 ist es erlaubt noch viel mehr Elektro- und Elektronikgeräte an die Händler zurückzugeben. Das neue Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) setzt die EU-Richtlinie WEEE II um. So wird es für alle einfacher, Elektrogeräte richtig zu entsorgen.

Zusätzlich zu den schon vorhandenen kommunalen Sammelstellen müssen Händler mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern dann alle kleinen Elektrogeräte wie Mixer, Fön oder Toaster, sowie quecksilberhaltige Energiesparlampen in haushaltsüblichen Mengen, bis  zu einer Länge und Breite von 25 cm, kostenlos zurücknehmen. Größere Altgeräte (wie Kühlschrank und Co) müssen die Händler nur beim Kauf eines entsprechend neuen Elektrogerätes entgegennehmen. Die Regelung gilt übrigens auch für Onlinehändler, die über eben diese 400 Quadratmeter Versand- oder Lagerfläche verfügen.

Ab dem Jahr 2018 gilt die Richtlinie dann für alle Elektrogeräte. Ziel der Richtlinie ist es 85 % des anfallenden Elektroschrotts ab 2019 einzusammeln und die darin enthaltenen Rohstoffe wieder zu verwerten.

Hintergrund

Nicht mehr gebrauchte Elektrogeräte enthalten wertvolle Rohstoffe und teils seltene Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium, Gold oder Neodym. Werden diese Rohstoffe recycelt und zurückgewonnen, schont das die natürlichen Ressourcen. Oft sind aber auch gesundheitsgefährdende oder umweltschädliche Substanzen in den Elektrogeräten verarbeitet, wie zum Beispiel Quecksilber in Energiesparlampen. Deshalb ist es für die umweltgerechte Entsorgung und zum effektiven Recycling wichtig möglichst viele Elektroaltgeräte getrennt zu sammeln. Aus Deutschland werden jedes Jahr mehr als 155.000 Tonnen mit zum Teil sehr gefährlichen Elektroschrott ins außereuropäische Ausland verschifft. Um diesen illegalen Transport einzudämmen müssen die Altgeräte-Exporteure laut dieser Richtlinie nachweisen, dass die exportierten Geräte noch funktionstüchtig sind und es sich dabei nicht um Abfall handelt. Die  nationalen Behörden sind aufgefordert die Ausfuhren verstärkt zu kontrolliern, um das kriminelle Handeln einzudämmen.

Elektroschrott – Zum Nachdenken!

Laut Unep, dem Umweltschutzprogramm der Vereinigten Staaten, produziert die westliche Welt jährlich 41 Millionen Tonnen des sogenannten »E-Waste«, zu Deutsch: Elektromüll. In Europa werden nur 25 Prozent des elektronischen Abfalls recycelt. Der Rest geht in Containern per Schiff in Dritte-Welt-Länder. Weg. Doch wo ist »Weg«?

Im Februar 2011 wurde der Bildband »Permanent Error«« von Pieter Hugos veröffentlicht, der in eindringlichen Bildern das Leben auf einer riesigen Müllhalde in Ghana zeigt und noch immer aktuell ist. Eine leise Anklage gegen den schnellen Konsum des Westens und dessen Auswirkungen auf die Ärmsten der Welt.

Wir sollten wenigstens versuchen Elektroschrott von vornherein zu vermeiden. Tipps zur Vermeidung finden Sie in unserem Artikel »Weniger ist mehr – Elektroschrott vermeiden!«

Portofrei kleine Elektroaltgeräte zurücksenden!