Die fünfstufige Abfallhierarchie – was ist das?

Die Abfallhierarchie

Abfallhierarchie in fünf Stufen was bedeutet das? Die EU-Staaten haben sie in der EU-Abfallrahmenrichtlinie von 2008 (2008/98/EG über Abfälle) definiert. Darin ist festgehalten, dass die EU und all ihre Mitgliedstaaten rechtlich verpflichtet sind, Abfälle entsprechend der vorgegebenen Abfallhierarchie zu entsorgen. Hauptaussage ist: die »Abfallbewirtschaftung« darf die Umwelt und die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigen.

Wer sich mit den Themen Umwelt und Abfall auseinandersetzt kommt nicht darum herum sich mit diesem sperrigen Wort der Abfallhierarchie zu beschgäftigen. Dargestellt wird die Abfallhierarchie meist in einer Pyramide – wahlweise richtig herum oder auf den Kopf gestellt. Grundsätzlich bedeutet es:
Vermeiden – Verwerten – Entsorgen
Das oberstes Ziel ist es, nach Möglichkeit zu verhindern, dass Müll überhaupt entstehen kann. Dies richtet sich in erster Linie an die Hersteller von Waren aller Art. Wenn dies nicht möglich ist, sollten sie  sich bemühen, nur wiederverwertbare Stoffe zu verwenden und diese dann tatsächlich auch wiederzuverwerten. Der Rest, der dann übrig bleibt, muss auf ökologisch schonende Art und Weise beseitigt werden.

Nr. 1 in der in der Abfallhierarchie – Abfallvermeidung

An der Spitze in der Abfallhierarchie steht die Vermeidung von Abfall. Das sind »Maßnahmen, die ergriffen werden, bevor ein Stoff, ein Material oder ein Erzeugnis zu Abfall geworden ist, und die Folgendes verringern:

  • die Abfallmenge, auch durch die Wiederverwendung von Erzeugnissen oder die Verlängerung ihrer Lebensdauer;
  • die schädlichen Auswirkungen des erzeugten Abfalls auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit oder
  • den Gehalt an schädlichen Stoffen in Materialien und Erzeugnissen.«

Nr. 2 Vorbereitung zur Wiederverwendung

Im Artikel 3 der EU-Abfallrahmenrichtlinie wird beschrieben, was unter Wiederverwendung zu verstehen ist. Nämlich »jedes Verfahren, bei dem Erzeugnisse oder Bestandteile, die keine Abfälle sind, wieder für denselben Zweck verwendet werden, für den sie ursprünglich bestimmt waren.« Und als Vorbereitung zur Wiederverwendung wird »jedes Verwertungsverfahren der Prüfung, Reinigung oder Reparatur [angesehen], bei dem Erzeugnisse oder Bestandteile von Erzeugnissen, die zu Abfällen geworden sind, so vorbereitet werden, dass sie ohne weitere Vorbehandlung wiederverwendet werden können.« Für uns als Endverbraucher bedeutet es z.B. Kleidung weitergeben in der Familie und im Freundeskreis oder zum Second-Hand-Laden, Geräte, Möbel und Fahrzeuge wieder reparieren oder instandsetzen.

Nr. 3 Recycling

Das Recycling steht an dritter Stelle in der Abfallhierarchie. Dies sind alle Verfahren, »durch das Abfallmaterialien zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden.« Recycling schließt zwar die Aufbereitungsverfahren »organischer Materialien ein, aber nicht die energetische Verwertung und die Aufbereitung zu Materialien, die für die Verwendung als Brennstoff oder zur Verfüllung bestimmt sind.«

Die Abfallhierarchie

Die Abfallhierarchie

 

Nr. 4 Verwertung

Unter Verwertung im Sinne der Richtlinie wird jedes Verfahren verstanden, bei dem Abfälle »innerhalb der Anlage oder in der weiteren Wirtschaft einem sinnvollen Zweck zugeführt werden, indem sie andere Materialien ersetzen, die ansonsten zur Erfüllung einer bestimmte Funktion verwendet worden wären, oder die Abfälle so vorbereitet werden, dass sie diese Funktion erfüllen.« Maßnahmen der Verwertung sind zum Beispiel:

  • Hauptverwendung als Brennstoff oder als anderes Mittel der Energieerzeugung
  • Recycling/Rückgewinnung organischer Stoffe, die nicht als Lösemittel verwendet werden (einschließlich der Kompostierung und sonstiger biologischer Umwandlungsverfahren)
  • Recycling/Rückgewinnung von Metallen und Metallverbindungen
  • Recycling/Rückgewinnung von anderen anorganischen Stoffen
  • Regenerierung von Säuren und Basen
  • Erneute Ölraffination oder andere Wiederverwendungen von Öl
  • Aufbringung auf den Boden zum Nutzen der Landwirtschaft oder zur ökologischen VerbesserungBeseitigung

Nr. 5 Beseitigung

An letzter Stelle in der Abfallhierarchie befindet sich die Beseitigung von Abfällen. Das sind alle Verfahren, die nicht zur Verwertung führen, auch wenn das Verfahren zur Nebenfolge hat, dass Stoffe oder Energie zurück gewonnen werden. Beseitigungsverfahren sind laut der Richtlinie zum Beispiel:

  • Ablagerungen in oder auf dem Boden (z.B. Deponien usw.)
  • Behandlung im Boden (z.B. biologischer Abbau von flüssigen oder schlammigen Abfällen im Erdreich usw.)
  • Speziell angelegte Deponien (z.B. Ablagerung in abgedichteten, getrennten Räumen, die gegeneinander und gegen die Umwelt verschlossen und isoliert werden, usw.)
  • Verpressung (z.B. Verpressung pumpfähiger Abfälle in Bohrlöcher, Salzdome oder natürliche Hohlräume usw.)
  • Einleitung in ein Gewässer, in Meere/Ozeane einschließlich Einbringung in den Meeresboden
  • Verbrennung an Land und auf See
  • Dauerlagerung (z.B. Lagerung von Behältern in einem Bergwerk usw.)

Alles ganz schön theoretisch. Aber dennoch zeigen diese Stufen im Umgang mit dem Abfall deutlich, das wir uns alle, von den Akteuren in der Wirtschaft über die Verantwortlichen in der Politik bis hin zum Otto-Normal-Verbraucher fragen müssen wohin wir steuern?

Ich frage mich, ob wir zu viel herstellen und zu viel konsumieren oder ob gar das Falsche schlecht hergestellt wird und uns für gut angeboten wird. Auf jeden Fall erkenne ich einmal mehr, dass es nicht einfach ist, all die komplexen Zusammenhänge ob in der Natur, wie auch die zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft zu verstehen. Wäre es alles so leicht, würden nicht Wissenschaftler aller Sparten immer wieder fragen und forschen.  In meiner naiven Logik neige ich dazu dem Slogan: »Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird der Planet menschliches Leben nicht mehr weiter tragen können«, zu folgen. Auch wenn er eigentlich unfassbar und unvorstellbar ist, weil es mein und unser aller Leben im wahrsten Sinne des Wortes völlig auf den Kopf stellen würde. Und gleichzeitig hoffe ich heimlich doch Unrecht zu haben. Das tröstet mich und lässt mich schnell an hoffnungsvolleres denken. Aber so ganz vergessen kann ich die Gedanken nicht. Ich komme nicht umhin, mein Denken und Handeln in Bezug auf Umwelt, Klima Wirtschaft und Gesellschaft, ein eh schon wankendes Gebilde zwischen »Verzichtsethik« und »stratgischem Konsum«, wieder einmal genau zu überprüfen.